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„Der Baustoffmangel und seine Folgen für Bauherren“

Die Versorgung mit Baumaterialien ist in vielen Bereichen der Bauwirtschaft aufgrund der jüngsten Preissteigerungen nicht mehr gewährleistet. In Baumärkten sowie bei den Großhändlern fehlen vom Kabel mit PVC Ummantelung über Rigibswände, Spanplatte und Holz das Baumaterial in ausreichender Menge.

  1. Was sind die Gründe dieser ungewohnten Situation, dass flächendeckend viele Baumaterialien von Preissteigerungen und Lieferengpässen betroffen sind?

Als Auslöser und Hauptgrund wird die Corona Pandemie genannt, die die Weltwirtschaft und Ihre Lieferketten, erschüttert hat. Wegen der Pandemie kam es im ersten Halbjahr 2020 zu einem Nachfrageeinbruch, Produktionskapazitäten wurden weltweit heruntergefahren.

Die Absatzplanung der Rohstoffproduzenten wurde mit der ersten Phase der Pandemie obsolet und viele entschieden sich zu einem Produktionstop und warteten Ihre Produktionsanlagen. Die Lager waren zu diesem Zeitpunkt gut gefüllt und betriebswirtschaftlich war es sinnvoll Wartungen und Modernisierungen in dieser Lage durchzuführen. Da Wartung und Modernisierung mehrere Monate dauern können und gleichzeitig die hohe Nachfrage nach Baustoffen durch private Hausbesitzer und die konstante Nachfrage auf den Baustellen weiter stieg, schrumpften die Lager schnell. Diese Situation war nicht nur in Europa, sondern weltweit zu beobachten.

Neben den Produktionsausfällen durch Wartung und Modernisierung erschwerten in Übersee und Asien Schneestürme und Landbrände die Produktion und verschärften den Nachfrageengpass.

Darüber hinaus beeinträchtigte die Corona- Pandemie die Logistik stark. Der Luftfahrtverkehr kam über längere Zeit beinahe völlig zum Erliegen. Die Versorgung mit Ersatzteilen für die Produktion und sonstigen Gütern war nicht mehr in den gewohnten Zeitintervallen möglich. Die Container-Schifffahrt hingegen erlebte nach 12 Jahren einen Aufschwung und die Preise für eine Container vervierfachten sich binnen kürzester Zeit. Treiber dieser Entwicklung auf dem Schifffahrtsmarkt sind die Staaten, die am schnellsten die Corona- Einschränkungen für Ihr Land aufhoben. China fand als erste Wirtschaftsmacht zur Normalität zurück – vor den USA und Europa.

Die Ländern mit hoher Binnennachfrage sicherten sich die am Markt verfügbaren Ressourcen und sicherten damit den erwarteten Aufschwung nach Abklingen der Covid-Krise ab.

In der Folge erlebte China bereits wieder wirtschaftlich Aufschwung, während Europa, das noch mit der dritten Welle zu kämpfen hatte, im Lockdown verharrte.

Welche Bereiche sind am stärksten betroffen?

Von der europaweiten Knappheit bei den Rohstoffen sind besonders Holz, Stahl aber auch wichtige Kunststoffe der Verpackungsindustrie betroffen. Holz wird unter anderem in der Kabelindustrie für Trommeln und für Transportkeile verwendet, Stahl wird in Armierungen eingesetzt und Kunststoffe wie PVC für die Kabelummantelungen benötigt.

Bei dem Rohstoff Holz stiegen die Preise auf ein Rekordniveau von 150 Euro für einen Kubikmeter bis zu 475 Euro. Die Tendenz ist weiter steigend. Der Holzbau ist auch in der Corona Krise nicht zum Stillstand gekommen im Gegenteil, nicht nur in Deutschland ist die Nachfrage durch den ,,Do -It-Yourself- Boom‘ ‘gestützt worden. Nach dem in den ersten Ländern die Krise überwunden wurde, ist die Nachfrage überproportional durch einen Nachholeffekt angestiegen. Die Nachfrage in China und den USA ist so groß, dass 2020 über 50% des exportierten Rohholz aus Deutschland nach China ging.

In den USA als zweit größtem Abnehmer von Rohholz aus Deutschland, herrscht ebenfalls eine hohe Nachfrage. Während der Corona-Einschränkungen entschieden sich viele Amerikaner, die noch zur Miete lebten, ein Eigenheim zu erwerben. Die Erwartungshaltung ist klar: nach der wird der Anteil der Hauseigentümer weiter ansteigen und mit ihm die Immobilienpreise. Besonders hoch ist die Nachfrage in den traditionell wachstumsstarken Städten Dallas, Austin und Houston in Texas.

Die USA verfügen über hinreichend eigene Holzressourcen, jedoch wird der überwiegende Teil traditionell aus Kanada bezogen. Durch nicht aufgehobene Strafzölle mit Kanada und Waldbrände in den USA ist der Rohstoff Holz stark nachgefragt. Das Konjunktur-Paket von Präsident Joe Biden steigert die Nachfrage weiter. Dies hat zur Folge, dass sowohl die USA, als auch China den deutschen Holzmarkt leer kauften.

Der Nachfrageeffekt verstärkt sich weltweit zudem durch Schließungen von Sägewerken, die aufgrund von Hygienebestimmungen nicht weiter produzieren durften. Dies führte zu weiteren Kapazitätsengpässen. Der Post-Covid Anstieg der Energie-, Personal-, Transport- und Logistikkosten auf den Heimatmärkten verschärft den nachfrageüberhang.

Auch auf dem Kunststoffmarkt verursacht die Preisexplosion Rohstoffknappheit

Besonders Bauherren treffen die Preisexplosion und leeren Herstellerlager. 60 Prozent der hergestellten Kunststoffprodukte werden in der in die Bauwirtschaft verarbeitet. Zum Beispiel werden große Stückzahlen an Plastikrohren benötigt, um das neue Einfamilienhaus an die öffentliche Kanalisation anzuschließen. Fehlen diese, kann der Bauherr nicht einziehen.

Zum Kunststoffmarkt gehören beispielsweise auch Thermoboxen aus Styropor, Luftpolsterfolien oder Klebebänder und Kabel-Ummantelungen aus Kautschuk, die in jedem Haus benötigt werden.

In den ersten drei Monaten des Jahres haben sich wichtige Kunststoffe der Verpackungsindustrie stark verteuert, Polyethylen etwa um mehr als 35 Prozent. Andere Kunststoffe wie Polyurethane (PUR) sind im vergangenen Halbjahr um 50 Prozent teurer geworden.

Auf Grund der starken Preisanstiege mussten einige Firmen ihre Produktion drosseln, das führte zu einer weiteren Reduktion der Kapazitäten bei den Kunststoffherstellern für den europäischen Markt. Gemeinsam mit den gestiegenen Containerfrachtkosten stiegen die Preise weiter.

Laut Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe, stammt die Hälfte aller im Bau verwendeten Kunststoffe aus Produktionsstätten in Asien. „Deren Kapazitäten wurden erst im vergangenen Herbst wieder hochgefahren. Die Produktion in Asien wird vom eigenen boomenden Markt absorbiert , beziehungsweise werden die Erzeugnisse von den Produktionsstätten außerhalb Chinas, wie Vietnam und Taiwan, auf Grund des Embargos gegen China einzig von den USA abgenommen. Die Situation des Baustoffmangels verschärfte sich in den USA zudem durch den Ausfall großer Industrieanlagen aufgrund des strengen Winters .

Wie im Stahlmarkt berufen sich die Hersteller auf „Höhere Gewalt“: PE-Granulathersteller haben beispielsweise fast vollständig ihre Maschinen gestoppt, weil ihnen Nachschub fehlt. Gleichzeitig kaufen asiatische Länder verstärkt die Lagerbestände der PE-Rohstoffe aus Europa ein. 

Reduzierte Produktionskapazitäten am Stahlmarkt sorgt für Rohstoffknappheit

Mit Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 brach die Automobilindustrie, einer der größten Abnehmer der Branche, massiv ein. Aufgrund der gesunkenen Nachfrage schlossen viele Stahlwerke oder reduzierten ihre Kapazitäten in hohem Maße. Das hatte auch Auswirkungen auf den benötigten Stahl im Hausbau, hier wurden in der Krise die Lagerwaren abverkauft, da die Bautätigkeit nur gering unter der Corona-Einschränkungen zu leiden hatte.

Nun steht der aktuell unerwartet guten Nachfrage derzeit immer noch die reduzierte Angebotsmenge gegenüber. Die Lager der Hersteller sind leer. In Deutschland wurde 2020 so wenig Stahl erzeugt, wie zuletzt 2009. Auch über den Import lässt sich diese Angebotslücke derzeit nicht schließen, was an unterschiedlichen Faktoren liegt. Die stark gestiegene Nachfrage besonders aus den USA und China, aber auch fehlende Frachtkapazitäten und die Nachwirkungen der tagelangen Blockade des Suezkanals hemmen den Nachschub.

Neben den bekannten Handelsbeschränkungen zur Stahleinfuhr aus China für Europa ist der Stahlbedarf in Asien derzeit sehr hoch. Die asiatischen Länder sind bereit höhere Rohstoffpreise zu zahlen. Für die Europäischen Importeure kommen zudem die, in den letzten Monaten gestiegenen Frachtkosten erschwerend dazu.

Um dieser Situation zu begegnen fahren die Hersteller nun wieder die Produktion hoch. So hat z.B. Arcelor bis Ende Februar 16 von 18 Hochöfen in Europa wieder in Betrieb genommen. Die Kurzarbeit der Stahlhersteller ist weitestgehend beendet oder ausgesetzt. Es ist also zu erwarten, dass die Angebotslücke mittelfristig geschlossen wird.

Wann können wir mit einer Entspannung des Marktes rechnen als Bauherren?

Natürlich können wir bei Auxilium Invest nicht in die Zukunft sehen, aber es ist klar, dass sich die Rohstoff-Versorgung mit Abbau der Pandemiebedingten Einschränkungen entspannen wird.

Über alle Rohstoffe hinweg rechnen wir in der Baubranche frühestens im Herbst mit einer ausreichenden Versorgung an Rohstoffen. Die Reduzierung des Nachfrageüberhanges bedeutet allerdings nicht, dass wir sofort mit sinkenden Preisen rechnen dürfen. Die Hersteller werden sich einerseits dagegen wehren, andererseits werden sich die beschriebenen Herausforderungen beim Import nicht zeitnah auflösen lassen. 

Was das Geschäftsmodell der Auxilium Invest angeht, so ist unsere Versorgung mit Baumaterial, speziell dem Rohstoff Holz in Texas gesichert. Wir haben frühzeitig geplant und konnten Lieferengpässe durch rechtzeitige Einkäufe weitestgehend abfedern. Unser Engpass sind aktuell einzig die Sägewerke, die mit dem Anstieg des Bauholz Bedarfs aktuell nicht in der gewohnten Schnelligkeit liefern können. Deshalb haben wir unser Netzwerk an Lieferanten erweitert und trotz leicht gestiegender Transportkosten die Verfügbarkeit sicher gestellt.

Was bedeutet das für unsere Bauherren?

Handwerker, die kein Material beziehen können oder dies nur zu Preisen, die Ihre Margen siginifikant reduzieren, können nicht mehr die vereinbarte Bauleistung erbringen. Die Lieferzeiten für viele Baumaterialen z.B. beim Holz sind von 2 Wochen auf 12 Wochen angestiegen. Bauherren müssen sich je nach Vertragsgestaltung auf höhere Baukosten einstellen und sollten frühzeitig das Gespräch mit dem Handwerker suchen. Viele Handwerker werden die Baukosten an den Hauskäufer weitergeben, wenn nicht im Vorhinein Festpreise vereinbart werden.

Wir raten Bauherren in Ihrer Bauplanung zu berücksichtigen, dass Verzögerungen bis ins Frühjahr 2022 nur durch solide Planung zu vermeiden sind. Der Einzug in das neue Heim wird sich für viele Hausbauer verzögern.

Auf der anderen Seite erfahren Immobilienkäufer und Bauherren in der jüngsten Zeit viele Vorteile beim Bau und Kauf: Alle, die heute eine eine Finanzierung planen, können mit dem Wissen der Rohstoffknappheit, die maximale Bereitstellungszinsfreie Zeit von nicht abgeforderten Darlehenssummen sichern. Nach heutigem Stand sollten Bauherren einen Baubeginn frühestens für das Frühjahr 2022 planen.

Die Bauherren, die heute in den Startlöchern stehen sollte sich darauf einstellen, dass die vereinbarte Bereitstellungszinsfreie Zeit von 12 Monate nicht für eine vollständige Abrufung des Darlehensbetrages ausreicht. Wer clever ist, verhandelt heute mit seiner finanzierenden Bank eine Bereitstellungszinsfreie Zeit über die maximale Dauer von 24 Monaten.

Wenn die beitragsfreie Zeit abgelaufen ist, werden die, im Vertrag vereinbarten, Bereitstellungzinsen von bis zu 3,00 % p.a. bis zur vollständigen Auszahlung des Darlehens berechnet. Anschließend, nach vollständiger Auszahlung / Abruf des Darlehens, wird die vereinbarte Rate aus Ihrem Darlehensvertrag mit Zins und Tilgung erstmals abgebucht.

Sollten Sie eine bereitstellungszinsfreie Zeit von 12 Monate vereinbart haben, suchen Sie den Kontakt zu Ihrer finanzierenden Bank und prüfen Sie, ob Sie die vorgegebene bereitstellungszinsfreie Zeit verlängern können. Einige Banken berechnen hierfür einen Zinsaufschlag von üblicherweise 0,01 bis 0,03 Prozent pro verlängerten Monat. Der Zinsaufschlag fällt auf den gesamten noch nicht abgerufenen Darlehensbetrag an.

Wenn Sie gerade darüber nachdenken ein Haus zu bauen, gilt es den richtigen Zeitpunkt abzuwägen. Den Bau nach Ende der Pandemie zu beginnen, kann Ihnen viel Zeit, Geld und Ärger ersparen. Sollten Sie dennoch heute mit dem Bau beginnen wollen, planen Sie genügend Puffer in Ihre Finanzierung ein, um teure Nachfinanzierungen zu vermeiden.

Kleine Zusammenfassung

  • Produktionsausfälle durch Wartungen und Naturgewalten
  • Leergekaufte Lager in den Lockdown- Phasen
  • Covid-19 verursacht neue Hygienebestimmungen mit verändern Arbeitsabläufe
  • Massiver Anstieg der Transportkosten, 
  • Eine erhöhte Exportnachfrage aus China und den USA
  • Ein durch Covid-19 verursachter Arbeitskräftemange

Zuerst veröffentlicht am 04. Juli 2021 auf auxilium-invest.de

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